Ich hatte es immer eher für eine Stilfrage gehalten als eine Frage der Ergonomie: Pflanzen im Büro. Hier streiten sich die Geister, in erster Linie die Geister der Bürodesigner (Basisinfos zum Büroraumklima gibt es hier). Lang ist‘s her, aber es gab schon mal einen Hang zum Grünzeug im Büro, war es in den Siebzigern oder den Achtzigern des vergangenen Jahrtausends? Moderne Designer scheinen Pflanzenhasser zu sein, wenn sie sie doch einmal einsetzen, dann in homöopathisch kleinen Dosen: Vor einer riesigen Sichtbetonwand hängen 5 Reagenzgläser, in jedem ein spirdeliger Zitronengrashalm. Oder drei sündhaft teure, 130 cm hohe Pflanzkübel aus Bronze mit jeweils einem faustgroßen kärglichen Kaktus drin.
Das ist nicht die einzige Möglichkeit, Grünzeug im Büro zu Geltung zu verhelfen. Ich stiess jüngst auf eine bemerkenswerte Studie, die die Vorteile einer dschungleartigen Durchwucherung des Büroraumes herausstellte. Untersuchte Parameter waren:
demoskopische Werte, Gefahrstoffe, Keimbelastung, Akustik, Relative Luftfeuchte, Temperatur,Co2.
Tatsächlich wurden durch die Bepflanzung signifikant Schadstoffe aus der Luft herausgefiltert, die Keinbelastung gegenüber einem mit Klimaanlagen ausgestattetem Büro um 2/3 verringert. der für die Raumakustik relevanten Werte der Nachhallzeit und der aequivalente Wert der Absorptionsfläche zum Raumvolumen deutlich optimiert, die Luftfeuchtigkeit angenehm erhöht. (Gute raumklimatische Bedingungen haben also nachgewiesen positive Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit von uns Büromenschen)
Am interessantesten fand ich die Ergebnisse einer Befragung der Mitarbeiter des süddeutschen Automobilherstellers, dessen Abkürzung mit B anfängt und mit MW aufhört und in dessen Räumlichkeiten drei verschiedene Pilotbereiche für diese Studie untersucht wurden : Ein Raum mit Klimaanlage und völlig ohne Pflanzen, einer mit Fensterbelüftung und mit Standardbepflanzung und schliesslich einer mit Pflanzen überall, vor allem oben auf Schränken. An jedem Arbeitsplatz wurden dem Indoor-Mini-Regenwald gegenüber den anderen Büroformen zusätzliche 0,8 qm zugebilligt. Das Ergebnis überrascht durch Eindeutigkeit:
100% der Befragten hatten den Eindruck, dass die Pflanzen Einfluss auf die Luftqualität hatten.
93 % fühlten sich nach der Bepflanzung in ihren Büros wohler als vorher.
Ebenfalls 93% hatten das Gefühl, dass sich der Schallpegel verringert hat.
47% fühlten sich entspannter,
18% entspannter und
29% motivierter .
Wieder 93% würden, wenn sie die Wahl hätten, lieber in einem begrünten statt in einem herkömmlichen Büro arbeiten.
Ein Schlag ins Gesicht der Apologeten jener ultramodernen fotogenen Kargheit, die sich in den Büromöbelkatalogen und Architekturzeitschriften der jüngeren Zeit breitgemacht hat. Menschen und Pflanzen kommen in dieser Hochglanzwelt jedenfalls auffällig selten vor. Menschen und ihre Befindlichkeiten spielen da scheinbar eine eher untergeordnete Rolle…
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